Claude markiert KI-Texte jetzt mit unsichtbarem Wasserzeichen
Kurz gesagt: Anthropic bettet seit dem 2. August 2026 in alle von neuen Claude-Modellen erzeugten Texte ein unsichtbares Wasserzeichen ein, das die Wortwahl minimal, aber maschinell erkennbar verschiebt. Grund ist Artikel 50 des EU AI Act, dessen volle Kennzeichnungspflicht erst am 2. Dezember 2026 greift - Anthropic ist damit vier Monate früher dran. Die Kennzeichnung gilt weltweit und für alle Claude-Zugänge, ist aber kein Beweis: Starke Umformulierungen, Übersetzungen oder kurze Textschnipsel können sie unkenntlich machen.
Symbolbild: KI-generiert
Wer Texte von Claude kopiert, trägt seit dem 2. August 2026 unbemerkt eine Signatur mit sich: Anthropic bettet in alle Ausgaben neuer Claude-Modelle ein unsichtbares Wasserzeichen ein. Es verändert weder Bedeutung noch Lesbarkeit des Textes, bleibt aber beim Kopieren und Einfügen erhalten und lässt sich mit einem passenden Prüfwerkzeug maschinell auslesen. Betroffen sind laut Anthropic sämtliche Claude-Produkte weltweit - Web-Oberfläche, App, API, Claude Code sowie der Zugang über AWS, Google Cloud und Microsoft Azure.
Wie die Technik funktioniert
Das Verfahren ähnelt dem, was Google mit SynthID bereits als Open Source veröffentlicht hat: Bei der Texterzeugung wählt das Modell nicht immer stur das wahrscheinlichste nächste Wort, sondern bevorzugt in einem bestimmten, für Menschen nicht wahrnehmbaren Muster leicht andere Formulierungen. Ein Detektor kann dieses Muster später statistisch erkennen. Für Bilddateien wie PNG und JPG setzt Anthropic zusätzlich auf signierte Herkunftsmetadaten nach dem C2PA-Standard, einem offenen Industriestandard, den auch Adobe und Microsoft nutzen.
EU-Gesetz treibt den Zeitplan
Auslöser ist Artikel 50 des EU AI Act, der KI-Anbieter verpflichtet, generierte Inhalte maschinenlesbar zu kennzeichnen. Die verbindliche Frist dafür liegt erst am 2. Dezember 2026 - Anthropic hat mit dem freiwilligen EU Code of Practice bereits vier Monate vorher nachgezogen. Auch Google ist Unterzeichner des Code of Practice und öffnet SynthID inzwischen für Partner wie Apple, OpenAI und Nvidia; OpenAI rüstet ChatGPT-Bilder bereits damit aus, sitzt bei einem eigenen Text-Detektor mit angeblich 99,9 Prozent Trefferquote aber seit rund zwei Jahren auf der Veröffentlichung. Anthropic ist damit unter den großen US-Anbietern der erste, der Text-Wasserzeichen flächendeckend und ungefragt für alle Nutzer aktiviert, statt sie als optionales Werkzeug anzubieten.
Kein Beweis, sondern ein Indiz
Wichtig für die Einordnung: Anthropic warnt selbst davor, das Wasserzeichen als Beweis für Autorschaft zu behandeln. Wer einen fremden, von Menschen geschriebenen Text durch Claude überarbeiten oder übersetzen lässt, hinterlässt ebenfalls die Signatur - ein positiver Treffer beweist also nicht, dass der komplette Text von der KI stammt. Umgekehrt können starke Umformulierungen, das Mischen mit anderen Texten oder sehr kurze Passagen das Muster so weit verwässern, dass ein Detektor nichts mehr findet. Für Schulen, Hochschulen und Verlage - laut t3n nutzen bereits 92 Prozent der Studierenden in Deutschland gelegentlich KI-Tools und 52 Prozent der Autor:innen KI beim Schreiben - bleibt das Wasserzeichen damit ein zusätzliches Indiz, kein Ersatz für Plagiatsprüfungen mit menschlichem Urteil.
Quelle: t3n. Zusätzliche Einordnung u. a. auf Basis von The Decoder und Interesting Engineering.